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schottland2010
20:54

Tag 5 (von 13)

Heute Morgen ist etwas geschehen, das ich auf Lewis nicht für möglich gehalten hätte: Ich werde von den Sonnenstrahlen geweckt. Der Himmel ist fast Wolkenlos! Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse ist der Plan für heute, Harris zu erkunden. Lewis und Harris gelten zwar als zwei Inseln, sind aber geographisch nicht voneinander getrennt. Dennoch merkt man sofort, wenn man die Grenze übertreten hat: Harris sieht aus, als hätte man einst im Norden von Lewis begonnen, alle Steine wegzuräumen und diese dann unsortiert in Harris deponiert. Wir begeben uns nach Tarbert, der Hauptstadt der Insel, kaum mehr als eine Ansammlung Häuser um einen Hafen herum. Ein kleines Café im Ort hat zwar einen recht mondänen Anspruch, serviert aber aus der teuren Espressomaschine eher mittelmäßigen Fairtrade-Latte-Macchiato und auch die selbstgemachten Kuchen können noch ein wenig mehr Liebe vertragen. Interessant auch, dass man Spendenzertifikate prominent platziert hat, um den guten Willen des Besitzers zu zeigen. Die zeigen aber, nicht wie man etwa vermuten würde, Kaffeeplantagen-Projekte in Ecuador; vielmehr wurden Veteranen-Regimenter der Royal Navy oder etwas ähnliches unterstützt. 
Wir fahren weiter nach Seilebost. Angeblich die längsten Sandstrände, wobei mir der Vergleich nicht mehr einfällt. Egal aber ob Schottland, Großbritannien oder sogar Europa: Seilebost ist wunderschön, besonders wenn die Sonne scheint. Wir entscheiden uns, zu picknicken und setzen uns anschließend in den Sand. Ja, heute ist sogar Sonnenbrand ein Thema. In Harris, ende August. Glaubt uns keiner. 
Nach einer Fototour entlang der Klippen kehre ich gerade rechtzeitig vor der Flut zurück. Die letzten Meter muss ich, extrem anstrengend, über Algen klettern. Meine Beinmuskeln leiden, die Schuhe ebenfalls. Weiter geht es zur Südspitze der Insel, vorbei an endlosen Grasflächen, die bis ins Meer hinein taumeln. Schafe und Highland-Rinder wechseln sich ab, bevor wir entlang einer winzigen Bergroute zurück in den Norden fahren. Hier endet die offizielle Landstraße und man merkt warum: kaum eine Anhöhe kann richtig eingesehen werden, enge Kurven machen die Situation schwieriger. Man ist dankbar über jede Haltebucht. Wir halten an einer Bank, um Fotos zu machen. Darauf liegt ein fast leerer Rucksack, der mich stutzig macht. Besonders, weil darin lediglich ein GPS-Navigationsgerät liegt, dessen Batterien aus sind. Gerade als ich mich dagegen entscheide, den Rucksack nach Tarbert zum Fundbüro zu bringen, hält hinter uns ein Auto: Ein alter Mann nimmt den Rucksack dankbar an sich. Er hatte eine Panne mit dem Rad und hat diesen dann liegen lassen, als er sich zur nächsten Häuseransammlung auf Hilfesuche begab. 
Zurück auf der Landstraße eilen wir gen Norden. Die Sonne geht unter und wir wollen noch dringend nach Rhenigidale. Dort liegt eine Jugendherberge, die tatsächlich noch abgelegener ist, als Garenin. Sie wird ebenfalls von der Gatliff-Foundation betrieben und bietet in einem entlegenen Tal bei Tarbert 14 Leuten eine spartanische Unterkunft. Einst kam man dort nur per Fuß, auch wenn wohl vor einigen Jahren eine Straße gebaut wurde. Ein kleines, weißes Steinhäuschen in einer Bucht fernab von der Hauptstraße in einem Tal, das man beinahe verwunschen nennen mag. 
Nur kurz haben wir Zeit, hier einige Fotos zu machen, bevor wir Gas geben, um vor der Dunkelheit wieder in Stornoway zu sein. Der aufgehende Mond über dem Moor ist mein letztes Fotomotiv an einem sonnengetränkten Tag am Meer.

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Schweinderl